Deutsche Weinstraße, 10. April 2022

Bericht einer Neu-Marathona

Seit ich mit dem Laufen angefangen habe, steht auf meiner Bucket-List die Teilnahme an einem Marathon. Am 17.08.2021 war der Drang so groß, dass ich mich beim 12. Deutschen Weinstraßen-Marathon anmeldete. Auslöser dafür war tatsächlich auch Corona. Durch die Begrenzung der Trainingsteilnehmer im 1. Corona-Jahr hatte ich den Luxus alleine mit meinem Vater trainieren zu können. Das ermöglichte das Training in etwas anderer Form als in unserem normalen Lauftreff. Häufig so, wie es meinem Vater liegt, querfeldein im Wald die Berge hoch und runter, aber für mich auf mein langsames Tempo angepasst. Das hat mir einen enormen Trainingsschub verpasst – trotz meines hohen Gewichts. Vor allem brachte es aber auch eine gewisse Konsequenz, wir trainierten die letzten 1,5 Jahre durch. Nicht, wie ich es sonst gerne mache, dass ich ein halbes ja sehr konsequent bin und dann plötzlich wieder wenig bis gar nichts mache. Die dunkle Couch-Potato-Seite in mir ist oft mächtiger als die sportliche Seite.

Auch seine Vorgabe in diesem Jahr das Training speziell auf den Marathon auszurichten hat geholfen. Unter der Woche ging es zweimal über die 14 km Strecke und samstags auf 20 – 30 km Touren durch den Pfälzerwald oder über Teile der Marathon-Strecke. Dieses Marathon-Training wird vom Lauftreff auch auf der Seite des Weinstraßen-Marathons angeboten, allerdings hat sich dazu leider niemand gemeldet. Umso besser für mich, Einzeltraining ist purer Luxus. Wobei ich mich jetzt auch wieder auf die normale Lauftreff-Sommerstrecke im Wald mit den anderen Mitgliedern freue.

Der Marathon liegt wortwörtlich vor der Haustür, zeigt über die 42,2 km und 495 Höhenmeter wie wunderschön unsere Landschaft entlang der Haardt und Weinberge ist. Für Weinliebhaber wird auch auf der Strecke entsprechende Verpflegung geboten. Neben der Marathon-Distanz wird auch ein Halb-Marathon und die Möglichkeit des Duo-Marathons geboten.

Bisher habe ich nur an kleineren Veranstaltungen teilgenommen, aber ich fand die Organisation wirklich gut. Ab 13 Uhr des Vortags konnten die Startunterlagen abgeholt werden. Wir waren etwa 13:20 Uhr vor Ort, kamen problemlos an den Stand und hatten 5 Minuten später alles was wir brauchten. Enthalten waren Laufnummer, Gutschein für die Nudelparty sowie Läuferbeutel und natürlich eine Flasche Riesling. Für Läufer die mit dem Auto angereist sind, war das schwierigste die Parksituation. Hier gab es leider kaum Möglichkeiten, weswegen ich öffentliche Verkehrsmittel empfehlen würde, es sei denn gute Ortskenntnisse sind vorhanden.

So haben wir am Lauftag selbst auch die vorhandenen Shuttle-Busse genutzt die ab 07:30 – 17:30 Uhr im 15 Minuten Takt entweder von Monsheim oder vom Grünstadter Hauptbahnhof bzw. dem Globus Parkplatz nach Bockenheim und zurück fuhren. Auch hier lief alles problemlos. Die Gepäckabgabe im Anmeldezelt ging zügig von statten. Extrem großes Plus meines Erachtens, vor Ort gab es viele Toilettenmöglichkeiten, für jemanden mit Angstblase wirklich beruhigend.

Größtes Manko meines Erachtens: Das Wetter.

Normalerweise steht die Pfalz für angenehme Temperaturen und ja, vor zwei Wochen konnten wir uns über Frühling mit wunderschönen Mandel- und Kirschblüten freuen. Eine Woche vor dem Lauf kippten die Temperaturen jedoch und wurden durch Regenschauer abgelöst, Freitag bis Samstag gingen diese sogar zu Schnee über und so für ein Verkehrschaos durch Bäume und Äste die den Schneelasten zum Opfer fielen. Am Lauftag selbst begrüßte uns Bockenheim mit einem Regenschauer und kaltem Wind. Für die Läufer gab es zum Aufwärmen zwar das Festzelt, aber da die Corona-Regelungen kurz vorher abgeschafft wurden, war es den Läufern überlassen ob man Maske tragen mochte oder nicht. Für mich persönlich ein absolutes No-Go bei so vielen Menschen auf engstem Raum, weswegen wir das Zelt mieden und uns anderweitig unterstellten. Das Warmlaufen vor dem Lauf wurde so zu einer nassen und kalten Erfahrung. Mir war auch während des Laufs überwiegend kalt, während es an vereinzelten Stellen auch wieder viel zu warm wurde.

Kurz vor dem Start hörte der Regen auf und um 10 Uhr fiel der Startschuss. In Bockenheim selbst war alles noch recht eng und das Überholen schwierig, aber spätestens auf der Landstraße aus Bockenheim heraus breitete sich das Läuferfeld aus und ließ ein bequemes Laufen zu. Wir verpflegten uns selbst und hatten Wasserflaschen und Snacks dabei, aber die Verpflegungsstände schienen mir extrem gut ausgestattet und mit circa 5 km Abstand recht häufig zu sein. Mag sein, dass dies bei heißem Wetter mit großem Durst und größerer Läuferzahl anders ausgesehen hätte.

In den Dörfern selbst fand sich trotz des schlechten Wetters Publikum das uns anfeuerte und Mut machte. Mir haben diese kleinen Aufmunterungen sehr geholfen und natürlich freut man sich noch mehr über bekannte Gesichter des Lauftreffs! Volker Jung winkte uns in Kleinkarlbach, Gabi Gründling erwartete uns mit Josef Knauf in Weisenheim und kam auch nach Herxheim, in Ungstein standen Steffi Krieg und Thorsten Rickel von der LG MuLi. Freunde von mir stellten sich zusätzlich kurz vor Bockenheim nach der Asselheimer Wand auf und feuerten uns lautstark an und eine weitere Freundin mobilisierte ihre Kids in Bockenheim sowohl am Start als auch im Zieleinlauf (extrem viel Liebe dafür – ihr seid die Besten!). Auf der Strecke selbst waren Stefan Berg, Jochen Kastner, Annette, Michael und Anna Bruns unterwegs und als freiwillige Helferin im Gepäck-Zelt war Sonja Deiß im Einsatz.

Wir waren nach 2:21h in Bad Dürkheim bei der Halb-Marathon Distanz und nach weiteren 2:26h, also insgesamt 4:48h schließlich wieder im Ziel in Bockenheim. Zum Glück noch weit genug vor der Schließ-Zeit von 5:30h. Wäre ich alleine so exakt und gleichmäßig gelaufen? Ganz ehrlich: Nein. Das Lob geht eindeutig an meinen Vater, der mich immer wieder einbremste oder auch motivierte. Trotz des guten Trainings erwies sich die Strecke als extrem schwierig für mich und ich spürte jeden einzelnen Höhenmeter, weswegen ich an den meisten Anstiegen gegangen bin. Da half auch die Freude gegen Ende wenig, als ich herausposaunte, dass wir nur noch die Trainings-Distanz von 14 km vor uns hätten. Die letzten 3 km fühlten sich höllisch an. Der Zieleinlauf und die Medaille haben mich aber glücklich gemacht!

Fazit: Ich liebe meine Heimat und die Laufstrecke zeigt, warum sie die Liebe verdient! Wer gerne flach läuft, der wird die Höhenmeter hassen, sieht die Zahl auch noch so klein aus. Wer einen geübten Läufer seinen Vater nennen kann, der auch nach einer Hüft-OP und mit schmerzenden Knochen das Laufen zelebriert und konsequent durchzieht, sollte das ausnutzen, sich motivieren lassen und sich dem Trainings-Regime unterwerfen. Niemals klaglos – sondern bei jeder sich bietenden Gelegenheit maulend, dass der Meister zu schnell, zu locker, zu unangestrengt läuft oder die Frechheit besitzt normal zu atmen, während man selbst sich das Sauerstoffzelt herbeisehnt. Vielen Dank, dass du mich die letzten Monate ertragen und mir den 1. Marathon in dieser Zeit ermöglicht hast! Wird es der Letzte gewesen sein? Die Angst vor der Distanz ist weg und an der Zeit könnte man noch etwas feilen – wir werden sehen.

Ein großer Dank geht an all die fleißigen Streckenposten die freche Autofahrer zurechtwiesen, jubelten und gute Laune verbreiteten und die freiwilligen Helfer die zur guten Organisation beigetragen haben.

Zum Abschluss die Ergebnisse des LT Weisenheim am Berg:

Halbmarathon:

Anna Bruns – 1:58:52

Marathon:

Jochen Kastner – 4:20:04

Peter und Melanie Gründling – 4:48:28

Annette Bruns – 4:53:11

Michael Bruns – 4:56:06

Bericht: Melanie Gründling

Fotos: Gabi & Peter Gründling, Rainer Hauer

 

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